Als Co-Trainer der
Regionalliga-Mannschaft betreibt der Ex-Profi Fußball jetzt wieder als
Vollzeitjob
«Zico» war sein Spitzname. Ein wenig
ironisch gemeint, denn Uwe Bindewald glänzte nicht durch filigrane
Einlagen und Freistöße, wie der einst weltbeste Fußballer aus
Brasilien.
Frankfurt. Bindewald verkörperte den grundsoliden,
kämpferischen und vereinstreuen Spielertyp, den es im globalisierten
Fußballgeschäft immer seltener gibt. Geschätzt von den Eintracht-Fans,
gefürchtet von so manchem Bundesliga-Stürmer – das war die Welt des
drahtigen und schnellen Verteidigers. In der neuen Saison steht der
gebürtige Friedberger an der Seitenauslinie und fungiert als Co-Trainer
von Eintracht Frankfurts Regionalligamannschaft. Mit dem 41-Jährigen
unterhielt sich Stefan Fritschi.
Herr Bindewald, die Weltmeisterschaft geht in die entscheidende
Phase. Schauen Sie alle Spiele?
Uwe Bindewald: Das ist schwer, wenn man zwei Kinder hat. Aber der
Fußball steht schon im Mittelpunkt.
Wie schlagen sich die Spieler in Ihrem einstigen Stammrevier, in
der Verteidigung?
Bindewald: Ich achte nicht so sehr darauf und ziehe auch keine
Vergleiche zu meiner Person. Es gibt natürlich gestandene Abwehrspieler.
Es ist heutzutage nicht einfach, in der Viererkette zu spielen.
Um sie ist es zuletzt etwas ruhiger geworden.
Bindewald: Ich habe eine Fußballschule aufgemacht. Ansonsten bin ich
bei Veranstaltungen, die mit dem Fußball zu tun haben, und ich bin ja
auch noch teilweise für die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft aktiv.
Wie kam der Kontakt zustande, um bei der U23 einsteigen zu
können?
Bindewald: Der ist nie abgerissen, ich stand in Kontakt zu Armin
Kraaz und Oscar Corrochano.
Sie haben mit Herrn Corochano, dem Trainer der U23, ja schon
einmal zusammengearbeitet, waren verantwortlich für die
A-Junioren-Bundesligamannschaft. Wie ist Ihr Verhältnis?
Bindewald: Das ist sehr gut, daher fällt mir der Einstieg jetzt auch
nicht schwer. Wir liegen in vielen Punkten auf einer Wellenlänge, legen
viel Wert auf Pünktlichkeit und Ordnung.
Warum machten Sie damals, 2008, in der U19 nicht weiter?
Bindewald: Es war eine finanzielle Geschichte. Die Eintracht hatte
mir ein Angebot gemacht, das ich ablehnte. Für ein paar hundert Euro
fahre ich nicht sechs Tage die Woche hin und her.
Sehen Sie Ihre Aufgabe als angenehmen Nebenjob oder als Einstieg
in eine Trainerlaufbahn mit Blickrichtung Profifußball?
Bindewald: Es ist kein Nebenjob, sondern ein Full-Time-Job. Fünfmal
die Woche Training und ein Spiel, dazu Vor- und Nachbereitung – das
macht man nicht so mit links. Profifußball? Träume haben alle. Es wäre
schon schön, bei einem Bundesliga-Spiel auf der Bank zu sitzen, egal,
ob als Fitness- Co- oder Cheftrainer. Derzeit habe ich aber nur die
A-Lizenz.
Trainingsauftakt ist am Montag. Was sind Ihre Ziele mit der
Regionalligamannschaft?
Bindewald: Das Ziel ist der Klassenerhalt. Die Mannschaft ist im
Umbruch. In der kommenden Saison wird es schwerer als zuletzt, denn es
wird mehr auf junge Spieler aus der Region gesetzt.
Die stehen möglicherweise vor einer respektablen Laufbahn bei der
Eintracht. Was bedeutete es Ihnen, viele, viele Jahre nur für diesen
Verein gespielt zu haben?
Bindewald: Es war eine schöne Zeit. Ich konnte immer in den Spiegel
schauen, habe immer alles gegeben. Das einzige, was ich vermisse, sind
die Fans. Wenn im Stadion der eigene Name gerufen wird, da bekomme ich
Gänsehaut. So etwas kann nicht kaufen, das muss man sich erarbeiten.
Versuchen Sie diese Einstellung und Mentalität auch den
talentierten Nachwuchskräften zu vermitteln?
Bindewald: Ja. Wenn alles läuft, klopft einem jeder auf die Schulter.
Wenn man dann drei, vier Mal auf der Bank sitzt, darf man die Flinte
nicht einfach ins Korn werfen. Sonst nimmt man immer den leichten Weg.
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